Was ist ein „normaler“ Zyklus?

Diese Frage wird mir oft gestellt. Die kurze Antwort: Normal ist, was gesund ist und was sich gut und ausgeglichen anfühlt.

Für die lange Antwort hole ich ein bisschen aus: In medizinischen Büchern sind die „normalen Bereiche“ für mein Empfinden oft sehr eng gefasst. Zum Einstieg ein paar Zahlen*: Nur 3,3% aller Frauen haben einen Bilderbuchzyklus von 28 Tagen. Bei 58% aller Frauen schwanken Zyklen um 8 Tage oder mehr. Und in spirituellen Kreisen höre und lese auch immer häufiger, dass es „normal“ oder „natürlich“ sei, wenn frau zu Neumond blutet.

Als wir zu archaischen Zeiten noch in der Prärie lebten, war es tatsächlich „normal“, dass Frauen einen regelmäßigen Zyklus von 28 bzw. 29 Tagen hatten und entweder an Neumond oder Vollmond bluteten. Denn da war mensch noch im Einklang mit den lunaren und natürlichen Rhythmen – und somit war es auch der weibliche Zyklus. In unserer modernen Lebenswelt können wir uns jedoch ganz einfach durch künstliches Licht über die zirkadischen und jahreszeitlichen Rhythmen stellen, was sich logischerweise auch auf den weiblichen Zyklus auswirkt. Und wir sind durch Handy und Computer blauem Licht ausgeliefert, genetisch modifizierter und chemisch behandelter Nahrung und vielen anderen Schadstoffen in Nahrung, Kosmetik und Umwelt.

Heute hat jede Frau ihren eigenen Rhythmus, als Resultat ihrer individuellen Tages- und Lebensgestaltung. Und dabei gibt es auch Frauen, die pünktlich zu Neu- oder Vollmond bluten.

Tatsächlich ist unser Zyklus ein wichtiger Botschafter für einen gesunden Körper und ein gesundes Leben. Wir alle wissen, dass wir unser Leben viel leichter meistern, wenn wir das aus einem Zustand der Gesundheit und der Balance heraus machen.

Woran erkennen wir also einen gesunden Zyklus?

02aee4e33a4358113b9e5eca14805091Ein gesunder Zyklus ist zwischen 23 und 35 Tagen lang. Auch bei einer „normalen“ Zykluslänge von 28 Tagen ist der Eisprung nicht automatisch an Tag 14 oder in der Zyklusmitte. Das variiert von Zyklus zu Zyklus, das ist normal. Manche Frauen haben einen regelmäßigen Zyklus von 25 oder 34 Tagen, bei anderen ändert sich die Länge jeden Monat. Das sind natürliche Unterschiede, die völlig normal sind.

Die Blutung dauert 3-7 Tage. Dabei verliert die Frau zwischen 10 und 80 Milliliter Blut (ca. 1-3 Schnapsgläser). Gewebeteile darin zu finden ist normal. Die Konsistenz des Blutes ist an den stärksten Blutungstagen mittel- bis dickflüssig und leuchtend rot. Mit fortschreitender Dauer der Periode wird die Blutung dünner und bräunlicher.

Es gibt viele Gründe, warum der Zyklus in seiner Länge schwankt und die Konsistenz des Blutes von Monat zu Monat variiert. Schwankungen betreffen manchmal nur einen Zyklus, manchmal dauern sie über mehrere Monate an. Diese Abweichungen sind normal und in einem bewegten Leben nicht zu vermeiden.

Allerdings ist nicht jede Abweichung gesund, vor allem nicht langfristig.

Es gibt vier elementare Eigenschaften eines gesunden Zyklus.

emma PlunkettSie sind wichtige Anhaltspunkte, die darauf hinweisen, ob unsere Hormone im Gleichgewicht sind.

Zu einem gesunden Zyklus gehört der Eisprung. Die Eireifung beginnt während der Blutung (die sogenannte Follikelphase) und diese Phase dauert ca. 2 Wochen, unterscheidet sich aber deutlich von Frau zu Frau. Auch von Zyklus zu Zyklus variiert sie oft in der Länge. Es ist normal, dass der Eisprung manchmal gar nicht stattfindet. Wenn du jedoch mehr als 2 Zyklen ohne Eisprung im Jahr hast oder du über längere Phasen keinen Eisprung hast, dann kann emotionaler oder körperlicher Stress die Ursache sein, ebenso „unsichere“ Lebensumstände oder große Umbruchssituationen.

Auf lange Sicht ist ein regelmäßiger Eisprung allerdings gesundheitlich wichtig. Die Hormone, die mit dem Eisprung ausgeschüttet werden, sind wichtig für gesunde Knochen, Haare, Nägel und Haut und auch für die langfristige Gesundheit deines Gehirns.

Den Zeitpunkt des Eisprungs erkennst du am Mittelschmerz, ein Ziehen auf der linken oder rechten Seite. Oder indem du deine Morgentemperatur aufzeichnest.

2. Eine mindestens 10-tägige Lutealphase

Die Lutealphase (die maximal 18 Tage zwischen dem Eisprung und der Blutung) unterliegt idealerweise von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus nicht den gleichen Schwankungen wie die Folikelphase. Wenn sie kürzer ist als 10 Tage, dann ist das ein deutlicher Hinweis auf zu niedrige Progesteronwerte bzw. auf eine Östrogendominanz. Auch Schmierblutungen oder eine niedrige Morgentemperatur in der Lutealphase können ein Anzeichen für niedriges Progesteron sein. Das kann eine Vielzahl von Zyklusstörungen bewirken und sich langfristig auf die Knochengesundheit und weitere Aspekte des Körpers auswirken. Zudem ist es mit einer kurzen Lutealphase sehr viel schwieriger schwanger zu werden, weil die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird, bevor sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann.

Zu einer verkürzten Lutealphase können Über- oder Untergewicht, Vitamin- und Mineralstoffverlust, ein kontinuierlich hoher Stresslevel und ein Mangel an Ruhephasen beitragen.

3. Schmerzfreiheit der Blutung

Das allgemeine Empfinden der Blutung und die Symptome vor und während der Blutung sind bei jeder Frau unterschiedlich. Schmerzen oder Symptome, die dein Wohlbefinden oder dein Leben einschränken, sind jedoch nicht normal.

Ein deutliches „Ziepen“ oder „Ziehen“ im Unterbauch, im Rücken oder im Verdauungsapparat gehört während der Blutung zum gewohnten Ablauf. Wenn die Muskeln der Gebärmutter zusammengezogen werden, um die Schleimhaut abzulösen und abzustoßen, gehört das dazu.

Wenn sich die Gebärmutterschleimhaut einfach und schnell ablöst, verläuft auch die Menstruation kürzer und schmerzfreier. Wenn die Bewegungsfreiheit der Gebärmutter eingeschränkt ist (durch Wucherungen, Spiralen, chronischen Muskelverspannungen im Unterleib) verläuft das Ablösen der Schleimhaut nicht so reibungslos. Viele Frauen erleben Schmerzen oder andere unangenehme Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Migräne an einigen Blutungstagen. Bei übergroßen Schmerzen, bei denen eine einfache Wärmflasche, ein Nickerchen oder sanfte Bewegung nicht mehr hilft, macht es Sinn, nach den Ursachen zu forschen.

Es gibt viele Erfahrungsberichte von Frauen, die mit dem Umstieg auf die Menstruationstasse kaum noch Schmerzen haben. Wenn dir das nicht helfen sollte, gilt es, medizinische Ursachen auszuschließen. Stress, Ernährung, und zu wenig Bewegung sind mögliche Ursachen für Menstruationsbeschwerden, oft können aber auch emotionale, seelische oder karmische Themen zugrunde liegen.

4. Blutmenge

Die Menge und Dauer der Blutung ist bei jeder Frau anders. Große Frauen, Mütter oder Frauen in der Perimenopause haben oft stärkere Blutungen. Auch Kupferspiralen sorgen für stärkere Blutungen und mitunter stärkere Schmerzen.

Wenn obiges nicht auf dich zutrifft und du weißt, dass du während deiner Blutung mehr als 80 ml Blut (gut mit einer Menstruationstasse zu überprüfen, bzw. ein normalgroßer Tampon saugt ca. 5 ml Blut auf) verlierst, dann ist es empfehlenswert, mit einem Arzt darüber zu sprechen. Zum einen ist es wichtig, einer möglichen Blutarmut, d. h. auch Eisenmangel, entgegen zu wirken. Und zum anderen sollten mögliche Ursachen wie Polypen, Endometriose oder Myome gründlich untersucht werden. Suche dir dazu einen Frauenarzt, der dich ernst nimmt und dich über alle Heilwege informiert. Alle dieser Ursachen sind behandelbar und heilbar, auch wenn dies noch nicht bei jedem Arzt angekommen sind.

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amanda ruiz Zusammenfassend lässt sich also sagen: Wenn du dein Blut und deinen Zyklus gezielt beobachtest (und ihn idealerweise aufzeichnest), kannst du dich und deine Hormone nicht nur besser kennen lernen, sondern du kannst auch selbst aktiv zu einem gesunden und ausgeglichenen Leben beitragen. Meiner Meinung nach ist Zyklusbeobachtung deshalb eine große Bereicherung für jede und unbedingt die Mühe wert. Nicht nur dann, wenn frau schwanger werden möchte oder wirksam verhüten möchte.

Und bei nachgewiesenem hormonellem Ungleichgewicht lohnt sich der Blick auf unsere Gefühls- und Seelenebene sowie die Prioritäten im Leben – denn unser Hormonsystem bildet meiner Erfahrung nach unsere Lebensgestaltung wie einen Spiegel nach. Eine hilfreiche Frage kann also sein: Erlebe ich in meiner Lebenswirklichkeit insgesamt einen Gleichgewichtszustand zwischen nährenden und fordernden Kräften – und was braucht es um diese Ausgewogenheit in meinem Leben herzustellen?

Durch mein Zyklus-Mentoring weiß ich, dass sich mit den relevanten Fragen und einer neugierigen, spielerischen, liebevollen Haltung bei der Antwortsfindung sich viel verändern kann.

 

*Quelle für medizinische Grundlagen und Zahlen: Natürliche Familienplanung Heute, 4. Auflage, Springer Verlag, Kapitel 9

 

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